Informationen zu Welttollwuttag am 28. September 2017

Die gute Nachricht zuerst: Deutschland gilt seit 2008 als tollwutfrei - zumindest was die klassische Tollwut anbelangt, für die der Fuchs in Europa der wichtigste Überträger ist. Dazu beigetragen haben regelmäßige Impfungen von Haustieren, kontinuierliche Beobachtung und Kontrolle des Nutz- und Wildtierbestandes sowie Impfköderaktionen für Füchse. Dennoch, und das ist die schlechte Nachricht, ist die gefährliche Zoonose – eine von Tieren auf den Menschen übertragbare Infektionskrankheit – nach wie vor präsent:

Nach Schätzungen der WHO sterben jährlich 59.000 Menschen in mehr als 100 Ländern an der Tollwut, 99 Prozent davon in Afrika und Asien. Und auch in Urlaubsländern wie der Türkei, Serbien, Marokko, Thailand oder Mexico ist die anzeigepflichtige Tierseuche verbreitet, wird dort wie überall auf der Welt zu 99 Prozent von Hunden übertragen. Anlässlich des Welttollwuttages warnt die Bundestierärztekammer (BTK) dringend davor, Hunde aus diesen beliebten Urlaubsländern mitzubringen. Gleiches gilt für Hunde, die von Tierschutzorganisationen aus fremden Ländern gerettet werden und keinen überprüfbaren Tollwutschutz haben.

Hunde und Katzen, die das Haus verlassen - so genannte Freigänger - , müssen weiterhin regelmäßig gegen Tollwut geimpft werden. "Wer mit seinem Tier ins Ausland verreisen will, für den ist das sowieso ein Muss. Im europäischen Reiseverkehr ist diese Impfung bei Hund, Katze und Frettchen vorgeschrieben und wird über den EU-Heimtierausweis dokumentiert", erklärt Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der Bundestierärztekammer.

Ein Impfschutz ist auch deswegen wichtig, weil das Virus jederzeit wieder nach Europa eingeschleppt werden kann: So zum Beispiel durch die Einfuhr von Hunden aus Ländern, in denen die Tollwut noch verbreitet ist. Immer wieder ist es in den vergangenen Jahren passiert, dass bei illegal nach Deutschland gebrachten Hunden das Tollwut-Virus festgestellt wurde. Und nur durch die große Achtsamkeit der Behörden konnte Schlimmeres, nämlich die Infektion eines Menschen, verhindert werden. Das Dramatische an der Tollwut ist, dass nach Ausbruch der Krankheit für Hund und Katze keine Behandlung mehr möglich ist. Die Tollwut führt immer zum qualvollen Tod. Darum müssen Tiere ohne ausreichenden Impfschutz im Falle eines Ansteckungsverdachts getötet werden, denn das Virus kann nur im toten Tier nachgewiesen werden. Für Menschen ist die einzige lebensrettende Maßnahme nach Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier eine sofortige Impfung, die sogenannte Postexpositionsprophylaxe (PEP).

Nicht ausgerottet ist in Deutschland die Fledermaus-Tollwut. Eine Impfung wirkt auch gegen diese Seuche, von der jährlich mehrere Fälle angezeigt werden. Es gibt diesbezüglich keinen Grund zur Panik. Fledermäuse sind nachtaktiv, völlig harmlos und äußerst menschenscheu, darum ist es sehr unwahrscheinlich, von einer tollwütigen Fledermaus gebissen zu werden. Im Herbst zeigen einige Arten allerdings ein sogenanntes Invasions-Verhalten, das dem Erkunden möglicher Winterquartiere dient. Besonders die streichholzschachtelgroße Zwergfledermaus zieht es in Gebäude. Dort verkriechen sich die Tiere hinter Bildern, Vorhängen oder in Bodenvasen. Verlassen die ungebetenen Gäste die Wohnung nicht gleich wieder (meist in der Nacht, wenn das Fenster geöffnet und das Licht ausgeschaltet wird), hilft ein Anruf bei der kommunalen Naturschutzbehörde, beim Naturschutzbund oder im Veterinäramt. Dort existiert in der Regel eine Liste von Experten, die beraten oder die streng geschützten Tiere fachgerecht ins Freie befördern.

Auf keinen Fall darf eine Fledermaus aber mit bloßen Händen angefasst werden! Mantel: Wer einem verletzten oder flugunfähigen Tier helfen will, sollte es mit festen Leder-, Arbeits- oder Gartenhandschuhe aufnehmen oder vorsichtig in ein dickes (Hand)Tuch wickeln und dann in eine verschließbare Pappschachtel setzen. Es empfiehlt sich, den Deckel mit einem Gummiband oder Klebestreifen zu fixieren, damit die Fledermaus ihn nicht abheben kann.

Sollte es trotzdem passieren, dass man von einer Fledermaus gebissen oder gekratzt wird, ist es wichtig, die Wunde umgehend mit Wasser und Seife zu reinigen und sofort einen Arzt aufzusuchen. Eine unbehandelte Ansteckung verläuft für den Menschen tödlich. Die einzige lebensrettende Maßnahme nach einem tollwutverdächtigen Tierkontakt ist darum eine sofortige Impfung.

 

 

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