Am 28. Juli trafen sich etwas über ein Dutzend interessierte Mitbürger in Caldern auf dem alten Friedhof. Dort hatten bereits im April diesen Jahres Teilnehmer der AG Biodiversität der Zukunftskonferenz der Gemeinde Lahntal auf 500 m² eine insektenfreundliche Blühfläche angelegt.

Diese Aktion wurde durch Blühflächenpatenschaften von der Aktion BienenBlütenReich und dem Netzwerk Blühende Landschaften (https://www.mellifera.de/bienenbluetenreich) gefördert.

Dr. Sven Hoffmann, Bienensachverständiger des Landkreises und selbst Mitglied im Netzwerk Blühende Landschaften, stellte das Projekt vor und erläuterte die Ziele und Notwendigkeit solcher Maßnahmen.

Hintergrund ist, dass seit 1989 ein Rückgang von 76 % der Fluginsekten und seit 2016 auch ein Rückgang von heimischen Singvögeln zu beobachten ist.
Neben der Tatsache, dass der Wert der Bestäubungsleistung von Nutzpflanzen in Europa jährlich auf 14 Milliarden EUR beziffert wird (BUND) sind 80 Prozent der Wildpflanzen abhängig von der Insektenbestäubung und 60 Prozent der Vögel in der heimischen Natur ernähren sich hauptsächlich von diesen Insekten. Aber nicht nur den Vögeln sondern auch uns Menschen nehmen wir durch den Verlust der Blütenbestäuber einen Großteil unserer Nahrungsgrundlagen.

Das Bienensterben ist nur ein Teilaspekt des weltweiten Insektenrückgangs und hier sind es nicht in erster Linie die von Imkern gehegten Honigbienen, sondern 560 verschiedene Wildbienen- und 200 Hummelarten, von denen ein großer Teil bereits vom Aussterben bedroht ist.

Ursachen hierfür sind Futtermangel, Vergrünung, Insektizide, Pestizide, Herbizide und der Strukturmangel in der Landwirtschaft, was in der Summe zu einer schwindenden Biodiversität führt. Das Beziehungsgefüge der Lebewesen untereinander (Biozönose) und mit ihrem Lebensraum (Biotop) wird dadurch nachhaltig gestört.

Deshalb werden private Gärten zu immer wichtigeren Rückzugsorten für Insekten, Vögel und andere Tiere, die in ausgeräumten Agrarlandschaften keine Lebensgrundlage mehr finden.
Aber auch in privaten Gärten fällt den Insekten das Überleben zunehmend schwerer: in akkurat gemähten Rasenflächen ohne blühende Wildkräuter und in Vorgärten, die eher Steinwüsten ähneln, finden sie keine Nahrung. Zusätzlich findet auch hier ebenso wie in Parks und auf Friedhöfen ein nicht unerheblicher Einsatz von für Insekten schädlichen Pestiziden statt.

Jeder einzelne kann etwas dagegen tun und ein Paradies für Bienen, Hummeln & Schmetterlinge schaffen durch vielfältigen Blütenreichtum und Verzicht auf Chemie im Garten sowie durch die Anlage von Blühflächen auf Gemeindeflächen oder auf Vereinsgrundstücken.

Die Treffen der AG Biodiversität der Zukunftskonferenz Lahntal sind öffentlich. Mitstreiter*innen sind herzlich willkommen. Weitere Infos auf der Homepage der Gemeinde. 

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