Die Natur braucht die Bienen – das ist heute in aller Munde. Die Bienen brauchen den Imker – spätestens seit der flächendeckenden Ausbreitung der Varroamilbe.
Dennoch eröffnet uns gerade die Bienenhaltung auf wunderbare Weise die vollendete Ordnung und Vielfalt der Natur. Als harmonisch bis ins letzte durchorganisiertes Staatsgebilde stellen Bienenvölker eine einzigartige und aufregende Welt im kleinen dar. Sie zu hegen und zu pflegen ermöglicht einem überraschende Einblicke und vielseitige Naturerfahrungen.

Urban Beekeeping - wie das Imkern in der Stadt auch genannt wird – in Gärten, auf Balkonen oder auf Dächern ist ein seit Jahren wachsender Trend, der sich seit den 70er Jahren von Manhatten-New York über Singapurüber Honkong bis nach Europa ausgebreitet hat. Die Dachimkerei in deutschen Städten wie München und Berlin boomt gerade zu.
Im städtischen Bereich finden sich nicht nur ausreichend pestizidfreie Blühflächen, sondern auch viele meist junge Menschen, die über das Hobby der Imkerei einen Ausgleich zu ihrem Job im Büro und eine Verbindung zur Natur suchen.
So neu ist das Imkern in der Stadt jedoch nicht. Schon in der Vergangenheit war es es häufig ein Nebenerwerb des Dorfschullehrers oder des Pfarrers, Bienen im Schul- oder Kirchgarten zu halten.

Gerade aktuell wird die Bienenhaltung in Großstädten sehr kontrovers diskutiert. Durch die enge Nachbarschaft in den Städten werden Bienen und Bienenschwärme hier öfter als Bedrohung angesehen als auf dem Land.
Die Dachimkerei löst dieses Problem nicht immer. Die Bienenstöcke sind dann zwar außer Sicht, aber abgehende Schwärme und Nahrung suchende Bienen verängstigen Nachbarn und werden weiter als edrohung wahrgenommen.

Auch sollte man nicht außer acht lassen, dass Bienen ein reiches Nektarangebot brauchen, das in manchen Bereichen dicht bebauter Städte nicht zur Verfügung steht.
Um 500 g Honig – den üblichen Inhalt eines Glases - zu sammeln, müssen die Bienen 1,5 kg Nektar sammeln, dazu benötigen Sie im Schnitt 40.000 Flüge und legen insgesamt eine Strecke von 120.000 km zurück. Das entspricht einem Flug 3x um den Erdball.
Auch wenn sich das gewaltig anhört, sammeln die einzelnen Bienen am ökonomischsten im Nahbereich in einem Radius von ca 3 km um den Bienenstock. Im Experiment konnte man Bienen zwar dazu bringen, Strecken bis zu 11 km zurückzulegen, doch verbrauchten Sie dabei die gesamte Menge des gesammelten Nektars für den Rückflug. So wären sie nicht in der Lage, ihre Brut zu ernähren und Vorräte für den Winter anzulegen.

Bei der Auswahl des Standortes für Ihre Bienenvölker müssen Sie also auch auf das ganzjährig passende Nektarangebot achten. Im städtischen Bereich können dies Parkanlagen, Gärten und sogar Friedhöfe sein, die über das Jahr verteilt ein gleichmäßiges Nektarangebot bereit halten.
Anders ist dies in intensiv landwirtschaftlichen genutzten Gebieten, wo nach der Rapsernte meist nur noch ein spärliches Blütenangebot vorhanden ist und die Bienen mancherorts Hunger leiden. Oft ist heute die Artenvielfalt in den Städten größer als auf dem Land, was aber auch zum Teil daran liegt, dass es in den Städten durchschnittlich 2-3 Grad wärmer ist als im Umland.

Fotos aus New York und anderen Megacitys mit großzügigen Dachgärten und darin gehaltenen Bienen animieren Stadtimker immer öfter aus Flächenmangel auf das Dach auszuweichen. Bedenken Sie jedoch, dass alles was Sie für die Bienenhaltung benötigen hinauf- und wieder hinabgetragen werden muss – Honigernte wie Winterfutter.
Auch kann man auf dem Dach nicht eben mal weglaufen, wenn die Bienen heute nicht gut drauf sind. Das Sturzrisiko ist bei der Dachimkerei nicht zu unterschätzen.
Bedenken Sie also die Wahl Ihres Standortes. Dieser muss nicht nur Ihnen, sondern auch den Bienen und den Nachbarn gerecht werden. Halten Sie Abstand zu Wegen und Grundstücksgrenzen, um Passanten nicht zu belästigen. Achten Sie auf die Flugrichtung Ihrer Bienen, damit diese nicht die Wäsche oder das Auto des Nachbarn bekoten. Pflanzen sie ggfs. Hecken um den Bienenflug umzuleiten.
Achten Sie auf bereits vorhandene Bienenstände in der Umgebung. Wie viele Bienenvölker kann die Umgebung ernähren?



Wenden Sie sich an den örtlichen Imkereiverein und nehmen Sie Kontakt zu Ihren Nachbarimkern auf. Begegnen Sie diesen mit Gelassenheit. Gerade unkonventionelle Standorte wie Balkone und Gebäudedächer können auf Unverständnis und Ablehnung stoßen.
Auch neuartige Haltungssystem wie die Bienenkiste oder die Bienenbox werden oft belächelt und kritisiert. In Bezug auf das Beutensystem - also die Bienenbehausung - nicht ganz zu Unrecht, wie ich meine. Und damit kommen wir auch zum Thema der Bienengesundheit.
Das Bienenvolk oder auch der Bien genannt ist ein sehr anpassungsfähiger Superorganismus, der sich an die meisten Klimazonen dieser Erde anpassen konnte und der sich im Verlaufe der Jahrtausende alten Nutzung durch den Menschen mit den unterschiedlichsten Haltungssystemen und mit intensiven Eingriffen in das Nestgeschehen  abgefunden hat. - Das war früher!
Seit der flächendeckenden Ausbreitung der Varroamilbe, einem Bienenschädling, der neben dem Schaden, den er selber anrichtet, auch noch zahlreiche Viruserkrankungen der Biene überträgt, ist ein erfolgreiches Imkern deutlich schwieriger geworden. Sie benötigen heute eine an den Standort, an das Haltungssystem und an die wechselnden klimatischen Bedingungen angepasste Betriebsweise mit einer integrierten schadschwellenorientierten Varroabehandlungsstrategie.
Die Bienenbox und die Bienenkiste sind hier sicher das falsche Beutensystem. Mit Ihnen läßt sich weder eine vernünftige Schwarmverhinderung noch eine ausreichende Varroabefallskontrolle durchführen.

 

Es bedarf also einiger Sachkunde. In den meisten Gegenden Europas wird ein unbehandeltes Volk den 2. Winter nicht überleben. Dies ist einer der Gründe, warum es bei uns keine wildlebenden Bienenvölker mehr gibt. Mit der einfachen einmaligen Verabreichung eines Medikaments ist dem leider nicht beizukommen. Die Krankheitsvorsorge ist heute der Dreh- und Angelpunkt der Imkerei. Der Begriff Bienensterben begegnet uns viel zu häufig.
Daher zum Schluss meine gut gemeinte Empfehlung : besuchen Sie eine Kurs zur Imkerei, ganz gleich ob bei einem Bieneninstitut oder dem örtlichen Imkerverein. Versuchen Sie nicht, sich das nötige Grundwissen als Autodidakt aus dem Internet zusammen zu suchen, dafür ist es zu komplex und die praktische Erfahrung zu wichtig.
Auf der Internetseite des Deutschen Imkerbundes finden Sie einen Link zur Auflistung der einzelnen Ortsvereine . Pflegen Sie den Kontakt zu den Nachbarimkern über den Verein, lassen Sie sich nicht abschrecken, wenn neue Ideen von den alteingesessenen Imkern nicht immer ernst genommen werden. Manchmal ist Ihre Erfahrung durchaus nützlich.

Weitere Informationen                                                         http://www.deutscherimkerbund.de
http://www.hessische-imker.de
http://www.imkerverein-marburg.de
Download Vortrag "Imkern in der Stadt - Empfehlungen für Einsteiger"

Zusätzliche Informationen